Ironman 70.3 Wiesbaden – Wettkampfbericht

Dieser Artikel enthält zwei Berichte vom IM 70.3 in Wiesbaden.
Bericht 1: Philipp Herber
Bericht 2: Benjamin Dicke


DSC05382Die erste Mitteldistanz seit über zwei Jahren und eigentlich fand ich die letzte im Kraichgau schon nicht ganz passend für mich als Drücker und Flachlandtiroler, was mich dann ausgerechnet dazu bewogen hat, mich ausgerechnet in Wiesbaden anzumelden, weiß wohl Gott allein. Die 1000 hm im Kraichgau erscheinen gegen die 1567 hm (lt. meinem Garminfile) wie das Warmlaufen vor einer Langdistanz. Nun denn, trotzdem stand ich mit über 2000 anderen Athleten am Sonntag, den 14.08.2016 am Schwimmstart des Rauenheimer Waldsees. Der See war so frisch, dass mit Neopren geschwommen werden durfte. Ein Novum für mich war der „Rolling Start“, bei dem alle paar Sekunden 5 Athleten auf die Strecke geschickt wurden, um einen Pilz in den See zu schwimmen. Der Start verlief, für mich als schlechten Schwimmer, wirklich sehr angenehm, denn die übliche Prügelei blieb aus und so konnte ich nach 28 min das Wasser verlassen. Der Weg in die Wechselzone, den Sandhügel hinauf, war dann mindestens genauso beschwerlich wie das Schwimmen. Ich schnappte mir meinen Beutel, zog mich um, rannte zum Fahrrad und mit dem Rad weiter. Doch ich rannte erst einmal falsch, denn im Wechselbereich der Staffelstarter schien mich keiner haben zu wollen. Also hieß das Kommando „rückwärts“. Endlich auf der Radstrecke angekommen, kam ich nach all dem Gelaufe dennoch gut in Tritt und konnte die ersten Konkurrenten hinter mir lassen.

DSC05398Das Talent mit dem Verlaufen oder Verfahren sollte mich dann aber noch auf der Radstrecke verfolgen. So fuhr ich bei zwei Kreiseln das eine Mal nach rechts und das andere Mal nach links, obwohl ich jeweils hätte andersherum fahren sollen. Ein schöner, bunt gesprühter Pfeil auf dem Boden hätte mir da sehr geholfen. Bis ca. km 45 auf der Radstrecke war mein Befinden und meine Beine wirklich gut. Der Anstieg zum Jagdschloss zog sich und kostete mich dann doch einige Körner, sodass ich die zwei Athleten, mit denen ich zuvor einige Kilometer gemeinsam beschritten hatte, ziehen lassen musste. In jeder Abfahrt konnte ich mich dann wieder heranschieben. In einer steilen Abfahrt durch ein Dorf mit einer 90° Rechtskurve gefolgt von einer 90° Linkskurve konnte ich nicht mehr ausreichend bremsen und fuhr anstatt links und aus dem Dorf heraus geradeaus. Ein Malheur, das mich einige Zeit und den Anschluss an die Gruppe kostete. Die nächsten 15-20 km der Radstrecke verliefen dann ziemlich ereignislos. Auf der langen Abfahrt, über die ich am Anfang noch schimpfte, konnte ich dann wieder meine Fähigkeiten unter Beweis stellen und so schoss ich mit 95 km/h noch an einigen Kontrahenten vorbei. Alles in allem brauchte ich so 2:35 Std. für die Radstrecke und fuhr 291 Watt NP im Schnitt. Eine Performance, die ich mir ein wenig besser gewünscht hätte. Auf Rügen am 11.09.2016 hoffe ich dann noch einmal zeigen zu können, dass dort ein wenig mehr geht.

DSC05395Auf der ersten Laufrunde fühlte ich mich ziemlich gut und so konnte ich weitere Athleten überholen. Ein genauer Rennüberblick war jedoch zu keinem Zeitpunkt möglich, denn aufgrund des Rolling Starts hatten alle Athleten unterschiedliche Startzeiten. Für die zweite Laufrunde gönnte ich mir dann ein Gel, musste jedoch feststellen, dass die nächste Verpflegungsstelle noch 2 km entfernt war. Auch wenn dieses Erlebnis mich nicht unbedingt Zeit kostete, war es trotzdem eines von den eher unangenehmeren des Tages. Die Laufstrecke erwies sich gerade auf den jeweils ersten 2,5 km der 4 Runden als anspruchsvoller als gedacht. Auch wenn es nur wenig, aber stetig bergauf ging, fühlte sich das Laufen mehr wie Gehen an. 1:22 Std. später war dann auch das Laufen Geschichte und ich ziemlich platt. Als 3. meiner Altersklasse und 33. insgesamt lief ich nach 4:31 Std vor dem Wiesbadener Kurhaus über die Ziellinie.

Ein paar Tage später kann ich sagen, dass da noch ein wenig Potenzial steckt, denn ein ausbleibender Muskelkater ist eigentlich immer ein schlechtes Zeichen nach so einem Rennen. Nun freue ich mich auf die letzten Trainingseinheiten der Saison und denke, dass Golo Röhrken da einen, wie das gesamte Jahr über, einen sehr guten Job machen wird. Nun verbleiben noch das Bundesligafinale in Hannover, der Ironman 70.3 Rügen und … ja, wer schreibt eigentlich meine Masterarbeit?

„Alles muss man selber machen lassen!“ (Deichkind)

Philipp Herber


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Perfekte Wetterbedingungen erwarteten die Teilnehmer zur 10. Ausgabe des Ironman 70.3 Wiesbaden am Raunheimer Waldsee. Es herrschten milde Temperaturen um 25 Grad Celsius sowie blauer Himmel mit viel Sonnenschein. Mein persönliches Ziel war die Verbesserung meiner Endzeit aus 2014 und den Halbmarathon dabei mit 1 h 24 min zu absolvieren. Das Schwimmen wurde mit einem für mich neuen System, dem sogenannten „Rolling-Start“, durchgeführt. Dabei werden die Athleten nacheinander im Sekundentakt gemäß ihrer selbstgeschätzten Schwimmzeit auf die Strecke entlassen, wodurch das sonst übliche Gehaue beim Schwimmstart entfällt. Mir persönlich gefiel der Modus. Die Schwimmstrecke im Raunheimer Waldsee war dieses Jahr komplett neu konzipiert. Es wurde eine große Runde mit einem Ausstieg 400 m vor dem Schwimmziel geschwommen. Als ich nach ca. 31 min aus dem Wasser stieg, war ich leicht angefressen, da ich mir vorgenommen hatte ca. 2 min schneller zu sein. Aber Kummer beim Schwimmen bin ich gewohnt. Erst im Nachhinein stellte ich fest, dass diese Zeit in Relation zu anderen Athleten für mich absolut in Ordnung ging. In der Wechselzone bekam ich eine 30 sekündige Strafzeit für Sockenanziehen am Rad und nicht – wie vorgeschrieben – im Zelt.

IMG-20160814-WA0074Ich nutzte die Zeit, um mich etwas zu erholen und versuchte mir selbst einzureden, dass das jetzt sogar ein Vorteil sei. Mein Ziel war es, während des ganzen Rennens möglichst locker zu bleiben, um anschließend einen guten Lauf mit 4 min/km Pace absolvieren zu können. Die Radstrecke in Wiesbaden zählt mit 1500 Höhenmetern verteilt auf einer 90 km langen Schleife durch den Taunus vermutlich zu den anspruchsvollsten Kursen bei Triathlonveranstaltungen. Am Besten lässt sie sich beschreiben durch ein ständiges Hoch und Runter, wobei der ca. 7 km lange Anstieg mit durchschnittlich 6 % Steigung hoch zur „Platte“ den härtesten Part darstellt. Wer flache Strecken a la Vierlanden bevorzugt, wird hier wenig Freude haben. Mut auf den Abfahrten durch die zahlreichen kleinen Dörfer – nicht selten durch enge 90 Grad Kurven gekennzeichnet, die nicht einsehbar sind – wirkt sich positiv auf die Radzeit aus. Die im Prinzip für jeden Triathlon bestehende Herausforderung, vor dem Laufen nicht zu überziehen, hat in Wiesbaden noch mal eine gesteigerte Bedeutung. Meine Strategie für den Radsplit war es, in einer Weise zu fahren, die keine Schmerzen in den Oberschenkeln verursachte. Das funktionierte gut und ich überholte kontinuierlich ohne selbst überholt zu werden. Erstmals meldeten sich meine Beine bei km 50 nach dem langen Anstieg zur Platte und ich erwartete nun, dass ich leistungsmäßig abfallen würde. Ich benötigte plötzlich länger, um eine Lücke zu einem vor mir fahrenden Athleten zu schließen und fiel nun auch mental in ein Loch. Nach einigen Kilometern erholte ich mich jedoch sowohl körperlich als auch mental und investierte nun noch mal mehr bis zur 7 km langen Abfahrt nach Wiesbaden. Ich konnte überschlagen, dass meine Radzeit ein paar Minuten schneller war als vor 2 Jahren. Trotzdem fühlte ich mich noch stark. Der Wechsel auf die Laufstrecke verlief optimal und ich war gespannt, ob ich nun meinen Plan für den Laufsplit würde umsetzen können. Ich begann mit der anvisierten 4 min/km Pace und die erste Hälfte der 5.3 km langen Laufrunde durch den Kurpark fühlte sich gut an, obwohl die Strecke leicht anstieg. Als ich auf der zweiten Hälfte der ersten Runde 3:45 min/km lief und es sich locker anfühlte, wusste ich, dass es ein guter Tag werden könnte.

IMG-20160814-WA0113Die Laufstrecke war noch fast leer und die zahlreichen Zuschauer redeten mir gut zu. Beides motivierte mich. In den Runden zwei und drei konnte ich mein Tempo weitgehend halten. Insgesamt wurde ich nur von einem anderen Altersklassenathleten und einigen Profis überholt, während ich selbst viele andere Läufer einsammelte. Auf der letzten Runde tat mir alles weh, besonders die Blasen an den Füßen. Erstmals ging mein Tempo merklich runter. Aber es war fast geschafft. Ich würde mein Ziel erreichen können. Letztlich konnte ich es mit einer Halbmarathonzeit von 1 h 22 min sogar übertreffen.

IMG-20160814-WA0087Nach einigen Minuten im noch ziemlich leeren Zielbereich entdeckte ich Philip Herber und freute mich darüber, dass er so fertig aussah. Denn dies bedeutete, dass er noch nicht lange da sein konnte und beim Rolling Start hatte er sich sicherlich weiter vorne einsortiert als ich. Am Ende sprang für Herber der dritte Platz in der AK 25-29 und für mich der zweite Platz in der AK 30-34 heraus. Es freut mich, dass ich nach vielen suboptimalen Rennen bei meinem persönlichen Saisonhöhepunkt fit war und meine Zeit aus 2014 um 10 Minuten verbessern konnte. Mein besonderer Dank gilt meinem Bruder Niko mit Marina für Verköstigung am Abend vor dem Rennen, Anfeuerung während des Rennens und ihre Hilfe bei allen Vorbereitungen.

 

Benjamin Dicke