Teamtrainingslager Lanzarote 2018

Am 16. Februar ist es wieder so weit: Das Tri Team Hamburg fährt bzw. fliegt ins Trainingslager. Und ich darf mit. Ein erster Test, ob das mit dem Damenteam wirklich eine gute Idee war.

Schon früh treffen wir uns an diesem Samstagmorgen am Hamburger Flughafen und fliegen über Düsseldorf bzw. Mailand nach Arrecife, Lanzarote. Hier werden wir von einem Busfahrer erwartet, der unter Fluchen unsere 12 Fahrräder und 12 Koffer in seinem Bus verstaut.

In den Hotelzimmern kommen wir am späten Nachmittag an. Gleich werden die Räder ausgepackt und es wir drehen eine kleine Runde, die vom Untergang der Sonne beendet wird. Zum ersten Mal geht es an das üppige Buffet, von welchem wir noch oft so viel essen werden, dass alle kurz vor dem platzen stehen. Hier treffen wir auch die schon einen Tag vorher Angereisten und die Gruppe ist mit 11 Jungs und 3 Mädels komplett.

Der erste richtige Tag beginnt mit einem wunderschönen Lauf in den Sonnenaufgang. Noch trauen sich die meisten nicht die ganz kurzen Hosen anzuziehen, aber das wird sich schnell ändern. Nach einem genauso üppigen Frühstück geht es los auf die erste längeren Radfahrt die Insel erkunden. Schnell wird klar, dass die Insel zum Radfahren sehr anspruchsvoll ist, flache Strecken gibt es kaum und es ist recht windig.

Am Abend steht das erste Mal schwimmen auf dem Programm. Freudige Überraschung am Pool: Entgegen der Erwartungen ist das Wasser warm genug, um ohne Neoprenanzug zu schwimmen. So ziehen wir unsere Bahnen neben der Schweizer Nationalmannschaft im 50-m Meerwasser-Pool unter freiem Himmel.

Am zweiten Tag entscheide ich mich mit einer kleinen Gruppe für eine lockere Radrunde während die meisten schon gleich richtig zur Sache gehen und Intervalle ballern. Einen kurzen Koppellauf hängen wir auch noch dran, der von der unschönen Nachricht eines Sturzes beim Radfahren beendet wird.

Bei der ersten längeren Ausfahrt am nächsten Tag lerne ich meinen neuen Freund ‚Tabayesco’ kennen. Und den ‚Mirador del Rio‘. Beide Berge werden wir noch einige Male befahren und lieben lernen. Vor allem der belohnende Blick über die Insel auf das türkisblaue Meer treibt uns immer wieder auf die Berge. …abgesehen vom Trainingsplan, der Bergintervalle vorsieht 😉

In den ersten Tagen absolvieren wir unsere Einheiten fast immer in Begleitung von strahlendem Sonnenschein. Und Wind. Sehr viel Wind. Die Meinungen zu diesem ständigen Begleiter gehen auseinander: für einige einfach nur nervig und anstrengend, macht er für andere das Training anspruchsvoller und ehrlich.

Kaffee…?

…oder Cola?

Der erste Ruhetag beginnt mit einer lockeren Radrunde vor dem Frühstück. Die Zeit bis zur abendlichen Schwimmeinheit wird mit einem Spaziergang zum nahen Café (der Kaffee im Hotel lässt sich leider nur im absoluten Notfall trinken) überbrückt, mache nutzen die Zeit für eine Runde Stabilisation, Dehnen und Faszienrollen. Auch sehr beliebt am Ruhetag und auch sonst in jeder freien Minute: Die Arbeit am perfekten Teint. Die Besten Tipps der Jungs hierzu: Radbrille am Berg absetzen, nach den Einheiten sofort auf den Balkon legen um starke Kanten an Armen und Beinen zu vermeiden und möglichst dann Schwimmen, wenn die Sonne noch auf den Pool scheint.

Der nächsten Trainingsblock beginnt mit einem vollen Tag: vor dem Frühstück, oder auch BB (before breakfast), ein lockerer Lauf, eine Radtour mit Bergintervallen am ‚Tabayesco’ und am Abend ein Schwimmset. Entdeckung des Tages: ein niedliches Café geführt von einem schwulen britischen Paar in Teguise, wo wir kurz vor Ende der Einheit einen Espresso oder Café ‚con leche’ trinken.

In den nächsten Tagen richtet sich das Training oft nach dem Wetter, da die ein- oder andere Regenfront uns einen Besuch abstattet. Besonderes Highlight: der Regen auch im Hotel und die danach mit Handtüchern ausgelegte Lobby. Es scheint auf Lanzarote selten genug zu regnen um auf Abdichtungen an den Fenstern zu verzichten. Unsere Zimmer bleiben aber größtenteils verschont.

Trotz sorgfältiger Analyse verschiedenster Wetterberichte fällt eine Radeinheit ins Wasser, manche lassen sich hiervon nicht oder nur leicht beeindrucken, während andere doch lieber im Pool nass werden. Schon zum langen Lauf am Nachmittag ist der blaue wieder Himmel zurück und die Sonne scheint.

Nach vier guten Trainingstagen folgt der zweite Entlastungstag, wieder mit einer lockeren Radrunde und einigen Bahnen im Schwimmbecken. Den Mittag verbringen wir am Pool und werden für unsere Kommentare zu den verbrannten Engländern am Nebentisch mit einem Sonnenbrand bestraft.

Trotz aufkommender Müdigkeit geht es voller Motivation in die letzten 4 Trainingstage. Zu Beginn steht ‚El Longo‘ auf dem Plan. Eine 6-stündige Radeinheit, überwiegend auf der Strecke des Ironman Lanzarote. Für einen Teil der Gruppe ist klar, dass eine so lange Tour nichts für sie ist und wir teilen uns auf. Die Strecke führt anfangs in den Süden der Insel durch riesige schwarze Lavafelder und vorbei an Vulkanen, bevor sie dann wieder in den Norden führt; über ‚Tabayesco’ und ‚Mirador del Rio’ schließlich an der Küste zurück nach Costa Teguise. Nach den ersten Stunden gegen den Wind durch die Lava wird die Gruppe derer, die die kürzere Runde fahren stetig größer. Trotz Kürzen der Strecke sind alle 4-6 Stunden unterwegs und der Hunger am Buffet ist noch größer als sonst.

Es folgt der einzige Tag ganz ohne Radeinheit. Dies ist zwar der Witterung (Regen und noch mehr Wind) geschuldet, aber die Beine danken. Vor allem nach der anspruchsvollen Ausfahrt am Vortag schwinden die Kräfte nun merklich und es werden einige Einheiten angepasst oder ausgelassen, um nicht über das Ziel hinauszuschießen. Nach einem Lauf am Mittag geht es am Abend Schwimmen. Wegen des starken Windes und des Regens der letzten Tage ist das Poolwasser heute deutlich kälter und das anstehende eigentlich längere Schwimmset wird gekürzt und teilweise sogar im Neoprenanzug absolviert.

Die letzten beiden Tage werden noch ausgiebig auf dem Rad ausgenutzt, inklusive ‚Tabayesco’, ‚Mirador del Rio’ und einem Espresso bei ‚Jonnie Bakes‘. Vor allem die letzten Anstiege haben es nach zwei Wochen Training nochmal in sich. Die letzte Schwimmeinheit kann wieder ohne Neo geschwommen werden und der letzte Lauf bei strahlendem Sonnenschein macht den Abschied schwer.

Schneller als gedacht sind die zwei Wochen vorbei und es geht zurück in die kalte (wirklich sehr kalte) Heimat. Müde, zufrieden und etwas traurig steigen wir um 4:45Uhr in den Bus der uns zum Flughafen bringt. Nach einem wirklich sehr kurzen Aufenthalt in Madrid sitzen wir im Flieger nach Hamburg und vermuten schon, dass die Zeit nicht für alle Koffer gereicht haben könnte. Tatsächlich fehlen in Hamburg alle 12 Koffer und 13 Fahrräder.

Zwei Wochen nachdem ich am Flughafen von Arrecife auf 13 kaum bekannte Gesichter getroffen bin, verabschiede ich mich jetzt von meinem Team und freue mich unglaublich auf die Saison mit euch!

Zu guter Letzt ein dickes DANKE an alle die geplant, organisiert, Trainingspläne geschrieben und am Berg auf mich gewartet haben ;). Kurz: an alle, die dieses Trainingslager zu dem gemacht haben was es war.

Anne Ruff

2018-03-14T18:06:15+00:00