Sonnenbrand statt Winterfrust: Grundlagentraining am Kap der guten Hoffnung

Ein Bericht von Alexander Siegmund

IMG-20151231-WA0004Flughafen Hamburg, 30. November, 15:15 Uhr: Radkiste, 23kg Koffer und das Handgepäck bis zum Anschlag gefüllt – das typische Reisegepäck eines Triathleten. Was seit Monaten geplant und durchdacht wurde, wird heute Realität: Durch mein Studium und die damit verbundene geographische Unabhängigkeit ist es mir möglich, dem ungemütlichen Hamburger Winter zu entfliehen und mich an einem angenehmeren Ort meinen Hausarbeiten und den Trainingskilometern zu widmen.

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Kapstadt ist das definierte Ziel für drei Monate und neben meinen Trainingsutensilien nehme ich jede Menge Vorfreude, Erwartungen, aber auch Zweifel und Ängste mit ins Flugzeug. Man hört ja einiges über Südafrika: Die atemberaubende Schönheit, die unendlichen Sonnenstunden und die vielen Triathlonprofis, die ihre Zelte im Winter in Stellenbosch aufschlagen. Aber auch Diebstähle, Übergriffe und unsichere Straßen. Ich habe mich dazu entschlossen, die ausschließlich positiven Erfahrungen von einigen Bekannten zu berücksichtigen, die schon seit Jahren in Kapstadt und Umgebung wohnen, und somit überwiegt die Vorfreude, als ich durch die Sicherheitskontrolle gehe und meine Familie, Freunde und meinen Trainer- und Verkaufsjob bei Trionik für einige Zeit zurücklasse.

Früh morgens am 1. Dezember bin ich in Kapstadt gelandet und schon am ersten Tag war ich hin und weg von der Schönheit der Natur, die hier vorherrscht. Meine Gastgeberin hat trotz Übermüdung und Temperaturschock meinerseits direkt eine Tour mit mir auf den Tafelberg, den Signal Hill und zum Strand gemacht – zum Glück mit dem Auto. Die Erwartungen wurden auf Anhieb übertroffen und so stürzte ich mich auf mein Gepäck: Rad zusammenbauen, Koffer auspacken, Laufschuhe an und meine ersten Meter zu Fuß durch die Stadt – 32 Grad, blauer Himmel. Sportlerherz, was willst du mehr?

IMG-20151231-WA0012Seit mittlerweile eineinhalb Monaten bin ich nun hier und teile mir ein Zimmer mit Tim, einem Trainings- und früherem Vereinskollegen aus Hamburg, der zwei Wochen nach mir nach Kapstadt gekommen ist und hier seine Zelte bis Ende Januar aufgeschlagen hat. In den letzten Wochen habe ich viele Meter zu Fuß, auf dem Fahrrad und im Becken gesammelt und darüber hinaus einiges über ein mir bisher fremdes Land und deren Bevölkerung gelernt.

Das Wichtigste – und für viele wohl das Überraschendste – ist, dass ich mich bisher in noch keiner Sekunde unsicher oder beklemmt gefühlt habe. Dazu sind die Südafrikaner das wohl freundlichste und fröhlichste Volk, das ich bisher kennengelernt habe. Da das hier aber kein Reisebericht ist und mir verboten wurde, unnötigen Neid hervorzurufen, gibt es von mir nur so viel zu sagen: Ein Besuch – zum Trainieren oder zum Entspannen – ist mehr als empfehlenswert.

IMG-20151223-WA0010Das Training hier ist auf Grund der extremen klimatischen (konstant über 30 und teilweise bis 40 Grad bei teilweise starkem Wind) und der anspruchsvollen topographischen Bedingungen (sehr hügelig) anspruchsvoll, aber dank meiner Garmin Vector und Coach Nils Goerke laufe ich keine Gefahr, mich hier zu früh zu verzocken. Obwohl ich vor allem im Wasser die Trainingsumfänge deutlich erhöht habe, um gezielt an meinen Schwächen zu arbeiten, fühle ich mich noch frisch genug und habe die nötige Energie, um an ruhigen und trainingsfreien Tagen die malerische Umgebung zu erkunden und das besondere Flair aufzusaugen. Ob unsere 6-stündige Wanderung auf den Tafelberg mit in die Trainingsstatistik einfließt oder doch als Ruhetag gewertet wird, muss allerdings noch abschließend diskutiert werden.

Trainingstechnisch liegt der Fokus aktuell noch auf den Grundlagen und der Kraftentwicklung. Durch die vielen Anstiege hat sich das Krafttraining zu meiner Freude vom Fitnessstudio auf die Straße verlagert – Kraftausdauer am Berg statt Beinpresse.
Läuferisch arbeite ich vor allem im GA1 Bereich, laufe viel nüchtern und habe einen längeren Lauf pro Woche auf dem Plan. Dazu kürzere Intervalle und der ein oder andere Meter am Anstieg. Damit werden die Grundlagen für die späteren intensiveren Einheiten gelegt, damit ich im Sommer hoffentlich dem Status als Athlet des Tri Team Hamburgs (#derAnspruchmusshöherliegen) und vor allem meinen eigenen Erwartungen gerecht werden kann.

Bis Ende Februar habe ich noch Zeit, hier im Süden die Weichen für eine hoffentlich erfolgreiche Saison zu stellen, meinen geistigen und kulturellen Horizont zu erweitern und weiterhin – JA, das tue ich bei allen höhnischen Nachfragen wirklich – meine Hausarbeiten zu schreiben.

Aber so schön es hier auch ist und so wenig ich diese Erfahrung missen möchte, so sehr freue ich mich jetzt auch schon wieder auf Hamburg. Die Saison rückt näher, die Form steigt, das Kribbeln wird stärker und die Vorzeichen auf eine schnelle und unvergessliche Saison mit dem Team stehen gut.

In diesem Sinne, trainiert fleißig und vergesst nicht: Erfolg ist kein Glück!